Freitag, 15. November 2013

Das Paralleluniversum ARG (Alternate Reality Games)

Nicht eingeweihte werden sich verwundert die Augen reiben, wenn urplötzlich eine Armada junger Leute, das eigene Smartphone im Anschlag, aufgereiht und hochkonzentriert durch die Strassen der Städte stampfen. Die kurzen Fremdwort-Befehle, die sie sich gegenseitig zurufen, tragen auch nicht zu einer besseren Verständlichkeit bei.

Diese Szenerie spielt sich momentan rund um den Globus tatsächlich so ab. Es handelt sich um das Smartphone-Spiel Ingress - wobei, Smartphone-Spiel trifft den Nagel nicht mehr wirklich auf den Kopf. Es handelt sich dabei um das relativ neue Phänomen ARG (Alternate Reality Game). Dem Spieler werden mit Videos fiktive Geschehnisse vorgegaukelt, eine Invasion von Ausserirdischen. Er entscheidet sich anschliessend für eine Seite, für die "Enlighted" oder die "Resistance" und muss fortan für seine Gruppe Land gewinnen - das heisst ganz konkret, durch die Städte zu gehen und fiktive Portale (echte Artefakte wie Statuen, Brunnen, etc.) zu erobern. Diese Portale sind nur mit der dazugehörigen Smartphone-App ersichtlich - um richtig gut zu werden, muss man sich zusammenraufen und als Gruppe unterwegs sein.


Dieses neue Spiel ist nur ein Beispiel einer regelrechten Revolution in der Spielewelt - vorbei die Zeiten, wo Gamer alleine vor der heimischen Spielkonsole sassen und bis tief in die Nacht, ausgerüstet mit mehreren Getränkedosen, virtuelle Spiele spielten. Mit der neuen Kategorie der ARG verswchwimmen die Grenzen von Realität und Fiktion, man muss sich bewegen um etwas zu erreichen, bei den Schauplätzen physisch präsent sein. Und die Spiele erstrecken sich transmedial über verschiedene Ausgabeformen - am Beispiel von Ingress kommunizieren die Spieler in eigenen Blogspots miteinander, um sich zu treffen und gefeilte Taktiken auszutüfteln, um die Gegenseite vernichtend schlagen zu können.

Was aber ist der Nutzen dieser neuen Art von Spielen?

- Sammeln von Daten und Nutzerverhalten (Google sammelt mit Ingress beispielsweise Informationen über die Gehwege von Spielern in Städten, um sein Navigationsprogramm zu verbessern)

- Bewerben von Produkten: Ohne das Produkt aktiv zu nennen und damit als klassischer Werber entlarvt zu werden, nutzen die Marketingfachleute das Involvement der Spieler um ihre Produkte dann gezielt zu platzieren.

- Selbstunterhaltung : Solche ARG enstehen teilweise auch nicht-kommerziell und kann als eine Art moderne Schnitzeljagd betrachtet werden.


Daran erkennen Sie ARGs (Merkmale):

- "This is not a game" - die Entwickler werden sich hüten, das Spiel als Spiel anzupreisen. Der Nutzer soll sich- in der Realität wähnen

- Verschwommene Grenzen Fiktion/Realität. Auf den ersten Blick sind Dokumente wie Websites, Briefe, E-Mails, etc. , die für die ARGs genutzt werden nicht als fiktive Spielelemente erkennbar.

- Über verschiedene Medien hinweg, transmedial eben.


1 Kommentar:

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.